Penkkarit & Wanhat

Es hat was schönes, aber gleichzeitig auch was trauriges an sich wenn man in der Außensauna nicht mehr mit der Shampooflasche kämpfen muss, weil die Flüssigkeit darin aufgrund der niedrigen Temperaturen zu einem Block gefroren ist.

Mit anderen Worten: Die Zeiten der -30°C sind vorbei, und das auch schon seit ein paar Wochen. Es ging dann recht rasant für eine Woche in die positiven Grade, der Schnee ist matschig und braun geworden und die Laune von Feli und mir ist gesunken. Schönerweise hat sich das Wetter jetzt aber eingefangen und die letzte Woche hatten wir jetzt konstant so zwischen -10 und 0°C mit immer wieder Schneefall, also bin ich wieder glücklich 🙂

Bevor es jedoch matschig wurde, gab es eine Zeit, wo der Schnee so leicht war, dass er auf den Bäumen liegengeblieben ist und die ganzen Bäume weiß wurden und alles echt wunderschön aussah:

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An dem Tag, wo die beiden Bilder entstanden sind, bin ich mit Feli nach der Schule Schlitten fahren gegangen und dann hab ich mir von ihrer Familie Langlaufski ausgeliehen und bin damit nach hause gelaufen. Es ist hier auch vollkommen üblich mit Langlaufski sich fortzubewegen und es gibt auch Leute, die damit zur Arbeit laufen… Das Loipensystem ist auch sehr ausgeprägt und geht kreuz und quer durch den Ort und schönerweise gibt es so halt auch eine Verbindung von Felis zu meinem Haus.

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Zur Einordnung in die Zeit: Das war am 29.01.

Am 05.02. bin ich mit meinen Gasteltern und meiner kleinen Gastschwester 400km in den Süden gefahren, um meinem großen Gastbruder (ich hör ab hier einfach mit dem Gast-… auf, denn das nutz ich sowieso eigentlich nicht mehr 🙂 ) bei einer Armeezeremonie zuzuschauen. Es gibt hier in Finnland nämlich noch den Wehrdienst: Den müssen hier alle Jungs nach der Schule ganz normal machen (Mädchen dürfen freiwillig auch) und er dauert 6 Monate. Mein großer Bruder ist da seit Anfang Januar und wurde bei dieser Zeremonie offiziell, zusammen mit vielen anderen, in seinem Bataillon aufgenommen.

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Bei der Zeremonie mussten die ganzen Neulinge in ihren Bataillons aufmarschieren und dann standen sie eine Stunde nur da und mussten zwei Lieder singen, und für das eine sogar die Mütze absetzen und einen Handschuh ausziehen, was bei -10°C und Wind mit Schneefall so gar nichts gemütliches gewesen sein muss. Nachdem das ganze vorbei war, war mir dann auch richtig gehend sehr, sehr kalt (was dann im Nachhinein auch ne mega fiese Erkältung mit sich gezogen hat, aber wie auch immer). Wir sind dann meinen Bruder in seinem Batallionshaus besuchen gegangen, wo es dann auch für alle Besucher (so um die 5000) nach Kichererbsensuppe (was traditionell finnisches) gab.

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Auf dem Bild sieht man alles was man als Wehrpflichtiger so hat: Ein Bett und einen Schrank in einem 14-Mann/-Frau-Zimmer.

In den darauffolgenden zwei Wochen ist eigentlich nichts passiert und ich bin in einer kleinen Schneeschmelzdepression gelandet, die ich aber, Gott-Sei-Dank, wieder überwunden habe.

Die letzten paar Tage war dann aber um so mehr los: Am Donnerstag, den 18.Februar, gab es an allen Lukios (also den Oberschulen) Finnlands das sogenannte “Penkkarit”, an dem alle 3.-Klässler (also die, die jetzt die Schule abschließen), in Kostümen in die Schule kommen und gefeiert wird. Nach der ersten Stunde haben sich dann alle Schüler im Auditorium versammelt und dann gab es verschiedene Dinge zu sehen. Ein Teil, der bei uns an der Schule Tradition ist, ist, dass die 2.-Klässler die 3.-Klässler imitieren und sich über sie lustig machen. Da meine  große Schwester zu den 3.-Klässlern gehört und ich ja ihre Gastschwester bin, sie somit gut kenne und außerdem wie sie auch noch kurze Haare habe, wurde ich kurzerhand miteingespannt und hab meine große Schwester imitiert. Dafür hab ich ihr noch am Tag davor ihren Schal, der ein Symbol von ihr ist, geklaut, und somit hab ich es geschafft, die Menge zum Lachen zu bringen, auch wenn ich die eine Zeile, die ich hatte, verhaspelt habe 😀

Danach gabs von den Abis auch noch mehrere lustige Videos und dann, um eine weiter Tradition unserer Schule zu vervollständigen, hat unser Schulleiter Gummistiefel angezogen und jeden einzelnen Abiturienten mit einem Arschtritt aus der Schule verabschiedet 😀

Dann gings hinaus, wo die Abis dann auf Trucks verladen wurden und karnevalmäßig Süßigkeiten zu dem Rest der Schüler geworfen haben und dann glamourös davongefahren sind

Direkt am darauf folgenden Tag gab es dann den Wanhat: Das ist eine Art Ball, bei dem die 2.-Klässler (in ganz Finnland) feiern, dass sie jetzt die ältesten an der Schule sind. Für den Tag lernen die Paare in den Wochen davor mehrere Tänze und Laufabfolgen und es werden Kleider und Anzüge gekauft oder reserviert. Ich persönlich hab nicht getanzt, sondern nur photographiert, was aber trotzdem recht cool war. Da Felis Familie bei der Jugend-Olympia in Norwegen war, bei der ihr großer Bruder beim Biathlon für Finnland gelaufen ist, hatte sie niemanden, der ihr ins Kleid half, also bin ich früh morgens aufgestanden, zu ihr gewandert und hab ihr beim Ankleiden geholfen und wurden dann von einem Bekannten in die Schule gefahren wurden. Als dann alle da waren, wurde alle Tänzer in drei Gruppen aufgeteilt: Eine ist ins Altenheim, eine zur Grundschule + Rathaus und die dritte in die Schule der 7.-9.-Klässler gegangen und es wurde da getanzt. Ich bin mit einer finnischen Freundin dann bei der Grundschulgruppe mitgegangen und wir haben ganz fleißig Photos gemacht.

Nachdem wir dann auch mit dem Rathaus fertig waren, sind wir erst mal fein essen gegangen und mir wurde als Photograph sogar auch was zu essen gegeben, da ich ja was geleistet hab 🙂

Nach dem Essen gings dann zur großen Schulturnhalle für die große Vorführung vor Eltern und Dorfbewohnern. Da gab es dann auch ein Live-Orchester und es haben alle Paare (es waren so um die 30) gleichzeitig getanzt, was nochmal ganz andere Dimensionen waren. Neben den klassischen Tänzen hatten die Schüler auch noch einen selbst choreographierten Tanz, der echt sehr lustig war und den man teilweise auch auf manchen der folgenden Bildern sehen kann.

Ganz zum Schluss gabs dann noch den Tanz mit dem jeweils andersgeschlechtilichen Elternteils und ich hab die Chance in dem Wirr-Warr genutzt und einen kleinen Walzer mit meiner großen Gastschwester getanzt, bei dem wir aber so sehr lachen mussten, dass wir ihn nicht lange durchgehalten haben 😀

Die meisten Tänzer sind dann abends zu einer Afterparty gefahren, aber da Feli und ich keinen Bock auf Party hatte, haben wir uns mit einer finnischen Freundin bei Feli getroffen und bei Schoko und Chips “Johnny English – Reborn” geschaut und Spaß gehabt.

Gestern hat mein Vater die Außensauna angeheizt, wobei wir jetzt wieder beim Shampoo vom Anfang wären und dann gabs noch ganz fein ein mehrgängiges Abendessen. Nachdem meine Eltern irgendwann danach auf ein Konzert verschwunden sind, haben meine kleine Schwester und ich noch vor uns hin gelabert und Schoko-Cornflakes- Muffins gemacht und sind dann ins Bett gegangen.

Heute war ich dann auf dem zweiten 18. Geburtstag von einer weiteren Freundin, wo es dann ganz viel Kuchen (vier verschiedene) und Süßigkeiten gab.

Jetzt ist es halb zwölf am abend und ich bin endlich mit diesem lang nötigen Blogpost fertig und wünsche euch allen eine Gute Nacht (oder Morgen/Mittag 🙂 ) und bis zum nächsten Mal

Lena, 21.02.2016