Kesä tulee, oder auf Deutsch: Der Sommer kommt, trifft hier momentan echt voll zu. An Vappu hat sich hier echt alles verändert: Der Markt ist jetzt täglich offen, die Eisdielen haben aufgemacht und man sieht einfach generell sehr viel mehr Menschen auf den Straßen und alles ist fröhlich und bunt. Eine Woche später hat dann auch alles angefangen zu blühen und innerhalb von zwei Tagen ist einfach alles unglaublich grün geworden.

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Man kann Finnlands nördlicher Lage dafür danken, dass es jetzt auch sehr viel mehr täglichen Sonnenschein als in weiten Teilen der Welt gibt. Sonnenunter- und aufgang momentan bei mir im Ort: 3 Uhr 47 erhebt sie sich über den Horizont und um 22 Uhr 10 versinkt sie wieder. In der Praxis heißt das jetzt aber eigenltich schon, dass es rund um die Uhr hell genug ist, um draußen was zu sehen. Das ist echt ziemlich cool, denn dann kann man auch um 10 noch von irgendwo nach Hause kommen und es ist mehr als hell genug, um den Weg zu finden. Gesamt gesehen ist auch die Stimmung von allen sehr viel besser: Im Winter waren die Menschen hier (inklusive mir) echt immer unglaublich müde und vielleicht sogar leicht depressiv. Seit es warm und hell ist, sind alle sehr viel fröhlicher und offener 🙂

Es gibt da aber auch noch einen Nachteil: Es ist die ganze Zeit hell, was dann aber auch heißt, dass es hell ist, wenn man schlafen will. Noch gehts und es wird ja nur noch heller, aber ich wach jetzt schon fast täglich um fünf auf, weil mein Hirn denkt, dass es schon sieben ist :D. Man gewöhnt sich aber dran und dann überwiegen wieder die Vorteile.

In eben dieser Woche Donnerstag, war dann Christi Himmelfahrt und finnlandweit ist das ein Feiertag und netterweise haben wir dann auch noch den Freitag freibekommen ( Yay ). Am Donnerstag bin ich einer Tätigkeit nachgegangen, die ich an den folgenden Wochenenden weitergetrieben hab: Ich hab angefangen die ganzen weißen Geländer am Haus mit einer neuen Schicht Farbe zu versehen. Meine große Schwester hat im selben Zug die ganzen Bodenlatten neu braun bestrichen. Nachmittags hab ich dann noch mit einer Freundin rumgehangen, wo ich dann gleich zum grillen mit eingeladen wurde und dann saß ich da in einer netten Runde mit ihren vier Geschwistern und ihrer Mutter da und hab vor mich hingemampft.

Am Freitag sind meine Schwestern, mein Vater und ich zum Holz hacken gegangen. Mein Vater hat nämlich einen Bekannten, der Wald besitzt und Leute braucht, die ihm den gepflegt halten, also dürfen wir da Holz rausholen und es dann als Gegenleistung zum heizen behalten. Also wurde von uns etwas gehackt, auch wenn alles nicht ganz so geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt hatten.

  1. Meinem Dad ist bei dem Versuch eine Birke zu fällen, die Kette von der Motorsäge gerissen, woraufhin dann die ganze Säge im Baum steckte
  2. Hatte er dann noch für eben solche Fälle die Kettensäge der Nachbarn auch noch mit dabei, die wollte dann aber gar nicht erst anspringen
  3. Maki (große Schwester) hatte bei der Kaffeepause den Autoschlüssel in den Kofferraum gelegt, den Hanna (kleine Schwester) dann aus Versehen zugemacht hat => Schlüssel eingesperrt 😀

Die Passagiertüren waren aber noch offen, was das Unterfangen nicht unmöglich gemacht hat. Das Auto war aber ein echt alter Nissan, weshalb Sitze umklappen auch Fehlanzeige war 😀 Also haben wir einfach kurzerhand die Rücksitzbank auseinandergenommen, meine große Schwester ist in den Kofferraum gekrabbelt, hatten dann den Schlüssel wieder, mein Vater hat die Kettensäge befreit bekommen und waren dann irgendwann, früher als ursprünglich eigentlich geplant, fertig.

Abends bin ich dann mit Feli und einem anderen befreundeten ATS, der bei Feli zu Besuch war, zusammen erst Eis essen und dann ins Kino gegangen (Captain America: Civil War) und wurden ganz lieb von meiner großen Schwester danach abgeholt, da wir den letzten Bus um ne halbe Stunde verpasst hätten.

Am Tag drauf hatte ich dann ein von meiner Support Person veranstaltetes Event. Wir sind erst zusammen mit Feli, Alex (der auch schon beim Eis essen dabei war), zwei anderen ATS, die auch mit ihren Support Persons angereist waren, zwei ehemaligen finnischen ATS und meiner ganzen Familie zusammen zum Eis essen und Kaffee trinken in ein Café am Fluss gegangen und haben uns dann zum Hochseilgarten begeben. Dort haben wir dann zwei äußert lustige Stunden verbracht (ich hab mit meiner kleinen Schwester auch den Partner-Parkour absolviert, der echt anspruchsvoll war). Irgendwann gings dann aber leider wieder nach Hause und wir sind dann zu siebt in einem 5-er-PKW gesessen, da wir Feli und Alex noch nach Hause gefahren haben – Menschen stapeln. Dann gabs zu Hause üppig Abendessen und danach haben wir noch ein Brettspiel gespielt (man hatte da so Karten auf denen immer alles mögliche drauf stand und man musste dann auf alle mögliche Weisen den Teamkameraden das Wort klar machen, z.B. Lieder per summen, Persönlichkeiten bei Imitationen, malen, Pantomime,…)

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Am Sonntag hab ich dann wieder geweißelt und bin abends zu Feli gefahren und wir haben zusammen Inglourious Basterds geguckt und sind in die Sauna gegangen (das ist echt vollkommen normal mittlerweile :D)

Ich weiß, ich hab davon eigentlich schon genug geschwärmt, aber ich muss jetzt auch nochmal auf den Sportunterricht zu sprechen kommen: Wir haben mit der Klasse Paintball gespielt – Ich meine: PAINTBALL!!! Das war auch wieder eine unglaublich coole Aktion 😀 Wir sind dann also gemeinsam mit dem Bus zu dem Ort gefahren, dort hat jeder einen Anzug, Maske, Markierer und Kugeln gekriegt, wir wurden in die Benutzung der Markierer (Paintball-pistole) eingewiesen und dann gings eigentlich auch schon los. Mein Sportlehrer meinte davor noch so: Ihr wurdet abgeschossen, wenn ihr spürt, dass ihr getroffen wurdet. Ich dachte mir dann so: Ach, so weh kann das doch nicht tun… Ich hab jetzt, fast zwei Wochen später, immer noch blaue Flecken 😀

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Zwei Tage danach (13.05.) gab es dann einen Schulausflug: Die 1.-Klässler sind nach Helsinki gefahren und wir 2.-Klässler sind nach Kuopio zur Uni und Berufschule gefahren. Aufstehen war also um halb sechs (da stand die Sonne auch schon über den Bäumen), ich musste zur Bushaltestelle laufen und dann zwei Stunden nach Kuopio, wo wir dann zwei Stunden in einem Hörsaal saßen und uns von allen möglichen Studenten was über ihren Studiengang erzählen lassen durften. Ich muss sagen, vor allem wenn mans nicht versteht, sonderlich spannend wars nicht. Dafür gabs da gutes Essen und danach gings zur nächsten weiterbildenden Schule, wo das ganze dann nochmal passierte. Als das dann zu Ende war, wurden wir vor dem riesigen Shopping-Center abgeliefert und hatten da dann drei Stunden Zeit. Ich bin dann mit Saaga und Sandra (Feli war in Schweden) durch die Gegend getourt, haben im IKEA an jedem Stiftespender drei mitgenommen 😀 und sind im Gamingladen an den einzelnen Dingen hängengeblieben.

Irgendwann gings dann aber auch wieder zurück und es gab zu Abend belegte Brote, dazu Bananen, Saftkartons und Kakao. Ach ja, eine coole Sache noch: Ilpo, unser Schulleiter, hatte uns begleitet und einfach mal selber den Bus gefahren 😀 Ich muss sagen, der Kerl ist echt sehr entspannt und für alles gut.

Diese Woche haben wir in Sport dann finnisches Baseball gespielt. Es heißt zwar auch Baseball, man haut dabei mit einem Schläger auf einen Ball und rennt dann von Base zu Base, das wars dann aber auch schon mit den Ählichkeiten: Die Basen sind nicht in einem Kreis aufgestellt, sondern mehr im Zick-Zack, der Schläger ist anders, die Handschuhe sind anders, der Pitcher steht neben einem und allgemein sind die Regeln auch recht anders… Ich hab sie nicht so ganz verstanden (wir hatten aber auch nicht viel Zeit, um das zu tun), aber es war trotzdem echt cool und wieder eine neue Sportart, die ich ausprobiert hab und die mir gefällt.

Gestern war ich dann mit Feli spazieren mit dem einfachen Grund, dass alles so schön grün ist. Daher kommen auch schon die Bilder von oben.

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Jetzt sitz ich mit Feli im Zug auf dem Weg nach Helsinki. Ich steig zwar schon in Kouvola aus, aber fahr dann morgen mit einer Freundin aus Kouvola, bei der ich übernachten darf, auch nach Helsinki. Da ist dann nämlich das Jahresendseminar. Mit anderen Worten, mein Erlebnis Finnland neigt sich leider dem Ende zu :(. Es sind noch 38 Tage übrig. Klingt nach viel, ist es aber nicht…

Von dem Seminar erzähl ich aber das nächste Mal.

20. Mai 2016 Lena