Zum im Titel versprochenen Thema Vappu (1. Mai) erzähl ich weiter unten, was es damit auf sich hat. Aber erstmal dazu, was ich seit Ostern bis dahin gemacht habe:

Einundhalb Wochen nach Ostern kam mich nämlich Marlen (eine andere deutsche ATS, ursprünglich aus Thüringen) von Helsinki für drei Tage besuchen, an denen wir zusammen alles mögliche gemacht haben. Sie kommt in Deutschland ursprünglich vom Land und fand es daher schön, mal von der Hektik Helsinkis für ein paar Tage weg zu sein. Also sind wir z.B. in den unendlichen Wald hier gegangen, einfach um Photos zu machen und nichts hatten, wohin wir mussten. Daneben kamen in den Tagen mehrmals nachmittags oder zum Abendessen Freunde von Maki vorbei und wir saßen dann einfach nur stundelang alle zusammen und haben geredet und gelacht.

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Das ganze war möglich, da in der Woche gerade Koeviikko war (also Testwoche) und Feli und ich von zwei der Tests freigesprochen wurden, weshalb ich dann nur zwei hatte und die anderen vier Tage für mich frei waren. An dem Freitag hatte ich dann aber trotzdem Englischtest und dann hab ich Marlen halt mit in die Schule genommen, wo sie von meinen Freunden auch ganz herzlich empfangen und befragt wurde, weshalb ich mich dann nicht ganz so schlecht gefühlt habe, sie einundhalb Stunden in der Aula sitzen zu lassen während ich meinen Test schreibe. An dem Tag musste sie dann aber auch schon wieder zurück nach Hause und das Wochenende kam.

In der daraufliegenden Woche haben wir am Mittwoch in Sport Kaupunkisota gespielt (=Stadtkrieg). Dafür haben wir einfach alles an Matten und Geräten in eine Halle geschoben, zwei Teams gemacht und man musste sozusagen die Fahne des anderen Teams klauen und man konnte seine eigene durch Abwerfen der Gegner verteidigen. Da das andere Team uns unterlegen war, hat der Ersatzlehrer (eig. Geschichtslehrer) dann auch irgendwann mitgespielt… 😀

Am Tag drauf sind wir zu viert ganz spontan reiten gegangen: eine unserer Freundinnen wohnt nämlich auf einem Hof (Anna) und dann meinte eine andere Freundin (Saaga) so: Hei, wie wärs ich komm dich heut mal besuchen, hab heut nen Auto da? und Anna so: Gern doch! Saaga dann so: Wir müssten eigentlich auch mal zusammen reiten gehen… und Anna so: Na klar, wie wärs nächstes Wochenende, da hab ich gut Zeit! und Saaga dann so: Wie wärs mit jetzt? und Anna so: Wieso eigentlich nicht?! Irgendwo sind Feli und ich dann auch mit ins Spiel gekommen und wir sind einfach alle ins Auto gestiegen und zu dem Hof gefahren (Ach, es ist immer wieder toll, Freunde mit Führerschein zu haben 😀 ). Jedenfalls haben wir uns dann irgendwelche Klamotten von Annas Familie zusammengesucht, uns zwei der Pferde geschnappt, gestriegelt, gesattelt und dann ein wenig durch die Gegend geritten.

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Am selben Tag sind Feli und ich auch aus purer Spontanität abends zum Sonnenuntergang-anschauen an den großen See hier (Höytiäinen) geradelt und haben die Sonne bestaunt.

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Allgemein war ich jetzt schon mehrmals (auch alleine) schon mehrmals unten am See, da das einfach unglaublich schön ist, von da der Sonne bei ihren letzten Minuten des Tages an unserem Himmel zuzuschauen… Der Punkt, an dem die Sonne verschwindet, wandert aber auch von Tag von Tag und die Zeit, an dem die Sonne untergeht wird immer später. Falls ihr das aus Deutschland lest: Hier scheint die Sonne schon seit ein paar Wochen wieder länger als in Deutschland. Nach meiner Wetterapp geht die Sonne hier heute um 4:30 auf und um 21:30 unter. Tatsächlich hell ist es aber immer schon mindestens eine Stunde früher/später. Und das wird jetzt auch immer mehr, is wir dann irgendwann im Juni den Punkt erreichen, wo die Sonne gar nicht mehr untergeht 😀

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Auch sehr schön ist: Beim ersten Sonnenuntergang war der See noch komplett zugefroren und jetzt langsam taut er immer mehr auf und das Ufer und gesamt gesehen auch die ganzen Wege und Wälder sind langsam fast komplett schneefrei.

Die folgenden zwei Wochen hab ich nichts wirklich interessantes gemacht, aber letzten Donnerstag (28.04.) hat mich Feli mit zum offenen Training ihres Vereins zum Orientierungslauf genommen. Der Sport ist hier in Finnland echt groß und dabei läuft (joggt/rennt) man mit Karte und Kompass durch alles mögliche Gelände und versucht sogenannte Posten zu finden. Da es in Finnland ja ziemlich viel Wald gibt, kann man das fast überall machen. Also sind wir schön durch den Wald gejoggt und Feli (sie hat das schon in Deutschland im Verein gemacht und läuft im Sachsenkader) hat mir das ganz geduldig beigebracht, wobei wir von den Profis aus ihrem Verein in einem einem Tempo überholt wurden, in dem ich ungern mehr als einen halben Kilometer laufen müsste (die meisten von denen sind ganze 8km in dem Tempo durchgelaufen). Zum Vorstellen, wie so eine Karte aussieht, hier die Karte von dem Training (die war wohl echt einfach):

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Dann kam auch schon das Vappu-Wochenende:

Vappu, ist jedes Jahr am 1. Mai, und ist neben dem Tag der Arbeiter hier auch der Tag der Studenten und das Fest zum Frühlingsanfang. Am Tag davor gibt es auch schon festliches Essen, dazu traditionell Munkit und Sima. Munkit sind Gebäcke, die im Fett fritiert und dann mit Zucker garniert werden und Sima ist ein Getränk, für das man Wasser, Zucker, Hefe, Zitronensaft und Rosinen in einem Gefäß mischt und das dann für Tage einfach rumstehen lässt. Meine Mutter hat dazu einen großen Eimer genommen, der dann die Tage davor einfach in der Küche auf der Ablage stand und vor sich hin gärte.

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Außerdem war unser Haus und meine Schule mit Papiergirlanden und Luftballons dekoriert.

Am 1. Mai selbst, gab es in der Stadt dann große Festlichkeiten und der Markt wurde für dieses Jahr eröffnet. Also war ich mit Anna und Feli natürlich in der Stadt. Die Parade, die es wohl traditionell immer gibt, haben wir leider verpasst und nicht gesehen, sondern nur noch aus dem Bus den Abschluss davon mit ganz vielen Oldtmern, dafür waren wir dann auf dem Markt, haben uns Süßigkeiten gekauft und rumgealbert 🙂

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Ach ja, eine Tradition sollte ich vielleicht noch erwähnen: Am 1. Mai kann man, wenn man denn möchte, seine Abschlussmütze vom Lukio anziehen (das ist so eine weiße Mütze, die so ein wenig wie die eines Kapitäns ausschaut), weshalb man auf dem Markt und überall ganz viele Leute mit diesen Mützen gesehen hat: (ich weiß nicht, ob man das auf dem Photo sehen kann, ihr müsst euch das einfach vorstellen 🙂 )

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Und: Die Studenten haben hier alle, je nach Studiengang in einer anderen Farbe, so Overalls, auf denen dann so ganz viele Aufbügeldinger drauf sind. Die werden traditionell auch an dem Tag angezogen, aber ich hab leider keine Bilder davon.

Komplett vergessen hat ich ja, das ich am Samstag mit meinen Schwestern und meinem Vater das Holz vom hinterm Lagerhaus in die Garage umgestapelt habe. Da waren wir gute zwei Stunden beschäftigt, aber war lustig und danach hatte man dann wenigstens richtig schön Hunger 😀

Seit dem Wochenende ist es aber langsam auch richtig warm hier. Die letzten Tage hatten wir immer mindestens 15°C (was, wenn man von -35°C kommt ziemlich warm ist 🙂 )und ich hab meine kurzen Hosen ausgepackt und genieße den Sonnenschein.

Nun ja, das wars dann wieder mal von mir.

Grüße aus dem sonnigen Finnland

Lena, 04.05.2016